Die Rheinpfalz am 26.03.2015

„Es gibt immer noch Barrieren“

Interview: Matthias Rösch, Landesbeauftragter für die Belange Behinderter, zu seiner Sprechstunde am Montag in Ludwigshafen

Das Interview im Wortlaut

Herr Rösch, Sie waren letzten Monat in Ludwigshafen zu Gast beim Behindertenbeirat. Wie ist die Stadt in Sachen Inklusion und Barrierefreiheit aufgestellt?

In Ludwigshafen gibt es schon lange eine gute Tradition von Verbänden von Menschen mit Behinderungen. In Sachen Barrierefreiheit hat sich einiges getan und es geht weiter vorwärts. Der Bahnhof Mitte ist beispielsweise gut ausgestattet, beim Hauptbahnhof müsste noch einiges passieren. Die Mitglieder des Beirats sowie die Behindertenbeauftragten von Stadt und Kreis sind sehr aktiv und die Zusammenarbeit mit ihnen läuft hervorragend.

Was sind Ihre Aufgaben als Landesbeauftragter?

Zum einen bin ich mit meinem Team für Anliegen von Menschen mit Behinderung und deren Angehörigen zuständig. Dabei arbeite ich mit den Ministerien zusammen, aber auch mit den Städten und Gemeinden. Zum anderen bin ich auch politisch aktiv und kümmere mich darum, dass die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung verbessert und die UN-Behindertenrechtskonvention im Land umgesetzt wird. Ich bin Gesetzgebungsverfahren mit eingebunden und bringe mich in die politische Diskussion ein.

Wie groß ist dabei Ihr Einfluss auf politische Entscheidungen?

Ich bin im Sozialministerium des Landes angesiedelt und kann direkt mitwirken. Als Behindertenbeauftragter werde ich in der Landesregierung sehr ernst genommen.

Am Montag findet im Ludwigshafen eine Bürgersprechstunde mit Ihnen und den kommunalen Beauftragten statt. Machen Sie so etwas regelmäßig?

Dieses Jahr habe ich das gestartet. Es ist so geplant, dass ich ein- bis zweimal im Monat an verschiedenen Stellen in Rheinland-Pfalz die Sprechstunden durchführe. Ludwigshafen ist meine dritte Station.

Wer darf zur Sprechstunde kommen?

Alle, die ein Anliegen haben, aber auch gerne Menschen, die etwas Positives berichten wollen. In der Regel sind es Personen, die Probleme mit einer Behörde haben. Oft geht es um die Suche nach barrierefreiem Wohnraum oder die Anerkennung von Behinderungen. Ich schaue dann, was ich vor Ort machen kann oder nenne die zuständigen Stellen. Auf manche Sachen habe ich keinen direkten Einfluss. Zum Beispiel, wenn es um Ärger mit einer Krankenkasse geht, die bundesweit tätig ist.

Wird das Angebot von vielen Menschen in Anspruch genommen?

Die Sprechstundenzeiten waren bisher gut gefüllt. Ich wünschte mir bei manchen Anliegen, ich könnte mir mehr Zeit für sie nehmen. Die steht an solchen Terminen aber häufig nicht zur Verfügung.

Sie selbst sind seit ihrem 18. Lebensjahr querschnittsgelähmt. Schöpfen Sie bei ihrer Arbeit auch aus persönlichen Erlebnissen?

Ja, klar. Ich musste ja auch mit Kostenträgern und Behörden umgehen und habe eine eigene Perspektive auf diese Dinge. Im Vergleich zu damals hat sich aber eine Menge getan. Heute ist es für mich selbstverständlich, im Rollstuhl mit Bus oder Bahn unterwegs zu sein. Das war früher unmöglich. Auch die Präsenz von Menschen mit Behinderung in Städten und Gemeinden ist heute größer.

Wo stoßen Sie im Alltag dennoch auf Hindernisse?

Barrieren gibt es immer noch. Wir haben zum Beispiel ein sehr zergliedertes System von Kostenträgern und Leistungsträgern. Da ist mal die Renten-, mal die Krankenversicherung, mal die Kommune zuständig. Der Durchblick fällt vielen schwer. Ich selbst musste eine ganze Menge lernen und Erfahrungen sammeln, bis ich soweit war. Das ist ein Problem, bei dem ich die Leute unterstützen kann. Auch mit baulichen Barrieren und jenen in den Köpfen der Menschen hat man häufig noch zu tun. Mancherorts ist sogar der Zugang zur Arztpraxis für Rollstuhlfahrer nur mit Schwierigkeiten möglich. Glücklicherweise erneuert die Landesregierung in Rheinland.-Pfalz derzeit die Landesbauordnung. Das wird Verbesserungen im Hinblick auf die Barrierefreiheit bringen.